Die Fitnesswelle aus den USA

Die Fitnesswelle aus den USAIn den 50er Jahren waren nahezu alle Deutschen in einem Verein angemeldet, es gab in Deutschland ganz einfach keinen anderen Anbieter, bei dem man richtig Sport treiben konnte. Die Mannschaftssportarten standen hoch im Kurs, genauso wie Leichtathletik und Turnen. Die Fitnessbewegung hatte ihren Anfang erst in den späten 60er und frühen 70er Jahren und ging von den USA aus. Alles fing an mit dem Jogging. Joggen zu gehen, war für jeden Menschen auf der Welt ohne viel Aufwand möglich und hatte gleich eine erkennbare fördernde Wirkung auf die Ausdauer und Fitness des Läufers. Die zweite Fitnesswelle kam dann in den 80er Jahren: die Aerobic- und die Bodybuilding-Welle schwappte nach Deutschland. Durch Medien, wie Kino und Fernsehen, änderte sich die globale Vorstellung von dem idealen Körper. Als bekannte Werbefigur fungierte dabei der ehemalige „Mister Universe“ Arnold Schwarzenegger. In Folge dieser Veränderungen wurden viele Fitnessstudios in Deutschland gegründet, in denen es, anders als in den Vereinen, rein um den Körperkult ging. Hauptangebot bestand zu dieser Zeit aus Bodybuilding- und Aerobic-Kursen.

Die Mitgliederzahlen in den Fitnessstudios stiegen seit den 80er Jahren stetig. Während am Anfang (1980) noch unter 0,5Millionen Menschen in einem Fitnessstudio angemeldet waren, waren es 1990 schon über 1,5Millionen und im Jahre 2000 bereits über 4,5Milionen. Heute sind laut Statista neun Millionen Menschen in einem der über 8.000 deutschen Fitnessstudios angemeldet. Die deutsche Fitnessbranche macht damit einen Jahresumsatz von 4,7Mrd. Euro. Man muss jedoch hinzufügen, dass sich das Angebot der Fitnessstudios in den letzten Jahren nochmal verändert und vergrößert hat. Bodybuilding und Aerobic gelten zwar immer noch als das Pflicht- und Hauptangebot eines Fitnessstudios, es ist jedoch ein großes Sortiment an Angeboten dazu gekommen. Ein Beispiel ist ein eigener Wellnessbereich: Viele Fitnessstudios bieten ihren Mitgliedern heute eine Sauna, ein Solarium, Ruhe- oder Snozzelräume und Massagen an. Auch präventive Sportarten, z.B. um Rückenschmerzen vorzubeugen, oder Reha-Sport stehen hoch im Kurs. Einige wenige, große Studios bieten zusätzlich Indoor-Sportarten wie Tennis, Squash, Indoor-Fußball oder Badminton an. Auch ein Kommunikationsbereich mit einer Bar und Sitzplätzen gehört bereits jetzt zu den meisten Ausstattungen dazu – zum Teil wird sogar eine Kinderbetreuung angeboten. Das Fitnessstudio wird immer mehr zum gesellschaftlichen Treffpunkt.

Verdrängt das Fitnessstudio den Verein?

Dies trifft nur bedingt zu. Es ist ganz klar so, dass Verein und Fitnessstudio in Konkurrenz zueinander stehen, denn beide benötigen uns als Konsumenten bzw. Mitglieder. Das Fitnessstudio wird durch die monatlichen Beiträge der Mitglieder finanziert, es ist ein Gewinn orientiertes Unternehmen und ist daher davon abhängig. Der Verein wird dagegen hauptsächlich aus kommunalen Zuschüssen und Förderungen finanziert, Mitgliederbeiträge, Sponsoren und Eintrittsgelder machen nur einen kleinen Teil der Finanzierung aus. Wie hoch diese Fremdfinanzierung ausfällt, ist jedoch abhängig von der Größe des Vereines und damit auch von der Mitgliederzahl. Im reinen Kostenvergleich ist der Verein für die Mitglieder also attraktiver, da die Kosten sehr viel niedriger ausfallen als die im Fitnessstudio.

So einfach kann man dies jedoch nicht vergleichen, da die Angebote und Ziele der Sportanbieter ganz verschieden sind. Das ist auch der Grund, warum die Aussage von oben nur bedingt zu trifft.

Die Fitnesswelle aus den USAWer gerne einen Mannschaftssport betreibt und gerne mit einem (festen) Team regelmäßig zusammen trainiert, kann dies besser im Sportverein tun. Das Angebot des Sportvereins hat sich in den letzten Jahren extrem gesteigert. Man kann inzwischen aus vielen verschiedenen Mannschafts- und Einzelsportarten wählen und auch aus einem Angebot von ausländischen Sportarten, aus den USA und Fernost, wie zum Beispiel Rugby oder Baseball. Zusätzlich bekommt man dort die Chance sich, zum Beispiel in Form eines Ehrenamtes, selber einzubringen. Im Verein stehen der Spaß am Sport und die Vermittlung von Werten wie Fair Play und Toleranz im Vordergrund. Der Verein sollte vom sozialen Aspekt daher klar favorisiert werden.

Im Fitnessstudio geht es um den persönlichen und individuellen Erfolg und den Körperkult. Es kann sich dabei um die Zunahme an Muskelmasse, eine Verbesserung der Ausdauer oder einen Muskelaufbau nach einer Verletzung handeln. Der Spaß daran steht eher im Hintergrund, hauptsächlich geht es um ein gutes und sportliches Aussehen beim Sport und durch den Sport. Jeder ist dabei auf seine eigene Disziplin angewiesen: Es gibt keine festen Zeiten für das Training und es wird nicht mit anderen zusammen, sondern meistens alleine trainiert. Für einige kann dies befreiend sein, da der Stress, pünktlich an einem Treffpunkt zu sein, völlig wegfällt, für andere kann das bedeuten, den Sport für längere Zeit auszusetzen.

Zu welchem Typ Sportler man gehört, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fitnessstudio und Verein schließen sich ja auch nicht gegenseitig aus. Wenn man genug Zeit dafür hat, ist es problemlos möglich, Vereinssport zu betreiben und nebenbei ins Fitnessstudio zu gehen.

Bilder: stockimages & nenetus / FreeDigitalPhotos.net

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