Wann machen Dehnübungen beim Training Sinn?

Immer häufiger wird das Dehnen in Frage gestellt und es wird auf mögliche Verletzungsrisiken unmittelbar vor und nach einer Trainingseinheit hingewiesen. Dehnen oder nicht dehnen, fragt sich da der Sportler. Aber so einfach ist diese Frage leider nicht zu beantworten und so streiten sich die Gelehrten.

Dehnen ist wichtig, sollte aber intelligent in das Training integriert werden.Beim Dehnen muss man unterscheiden zwischen kurzfristigen und langfristigen Effekten. Während auf längere Sicht die Dehnbarkeit des Muskels (nicht der Sehnen und Bänder) erwünscht ist, ist diese vor dem Sport kontraproduktiv. Leider wird heute immer noch empfohlen, vor dem Training Dehnungsübungen durchzuführen. Vor dem Training sollte man sich hingegen aufwärmen, wobei sich der Körper und die Muskeln strecken sollen. Das übermäßige Dehnen jedoch ist zu vermeiden, denn dadurch werden Muskeln, Sehnen und Bänder gelockert. Für den Muskel bringt das aber nicht viel, da er sich Minuten später wieder zusammenziehen muss. Bänder sollen beim Training straff sein, um die Knochen optimal zusammenzuhalten. Unmittelbar nach dem Dehnen steigt die Gelenkreichweite messbar. Dies ist aber vorwiegend auf eine höhere Spannungstoleranz und nicht etwa auf bestimmte Veränderungen im Muskel zurückzuführen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass beim Dehnen eine Spannung auf die Muskulatur wirkt. Ist diese Spannung hoch, kann damit sogar ein hypertrophiewirksamer Reiz erzielt werden. Nach intensivem Ausdauertraining (Laufen und Radfahren), bei dem es auch zu kleinsten Verletzungen im Muskel (Mikrotraumen durch exzentrische Belastung) kommt, ist Dehnen als zusätzliche mechanische Beanspruchung sicher nicht angebracht. Wer exzentrisches Krafttraining oder Training der intramuskulären Koordination betreibt, sollte Dehnübungen auf einen anderen Tag verschieben. Im Gesundheitssport sind die Beanspruchungen hingegen geringer und Dehnen sollte hierbei regelmäßig durchgeführt werden, um die Beweglichkeit zu erhalten bzw. zu steigern. Muskuläre Dysbalancen und Verkürzungen können mit Stretching alleine übrigens nicht korrigiert werden. Hierfür ist ein Krafttraining vor allem der Antagonisten mit großen Bewegungsreichweiten zweckmäßiger.

Eine Verletzungsprophylaxe durch Muskeldehnung ist nicht möglich und auch ein Muskelkater kann damit nicht verhindert werden. Empfehlenswerter ist ein allgemeines Aufwärmen von wenigen Minuten vor Trainingsbeginn.

 

Bild: tiverylucky / FreeDigitalPhotos.net

1 Kommentar

    • Jana auf 29. Mai 2015 bei 14:05

    Danke, dass ihr meinem Tipp für einen Artikel nachgekommen seid! Weiter so!

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